Betriebe aus Meppen und Haren klimabewusst

So gehen Wocken Spedition und Otten Elektro voran

Meppen/Haren Die Unternehmen Wocken Spedition aus Haren-Emmeln und Alwin Otten aus Meppen sind vom Landkreis als klimabewusste Unternehmen ausgezeichnet worden. Die Firmenchefs berichten, wo sie im Alltag auf den Klimaschutz achten und wo sie Geld dafür investiert haben.
Seit 2013 vergibt die Energieeffizienzagentur (EEA) des Landkreises Emsland das Gütesiegel „Klimabewusstes Unternehmen“, und zwar an Betriebe, die nachweisen, dass klimabewusstes Handeln Bestandteil der Unternehmensphilosophie ist. Und zwar in jeglicher Hinsicht. In den vergangenen sieben Jahren wurden insgesamt 30 Betriebe ausgezeichnet, weil sie Energie wie Strom, Gas, Benzin oder Diesel besonders effizient nutzen. Das spart nicht nur Kosten, sondern hilft auch, die Umwelt nachhaltig zu schonen, so die EEA.
Zum ersten Mal im Kreise der Ausgezeichneten dabei ist die Spedition Wocken, die ihren Firmensitz an der Bundesstraße 70 in Haren-Emmeln hat. Dort nahmen Firmenchef Anton Wocken und seine rund 120 Mitarbeiter ein neues, zweigeschossiges Bürogebäude in Betrieb. „Es wurde an das Bestandsgebäude angebaut und nach dem KfW-55-Standard errichtet“, berichtet Wocken. Die 350 Quadratmeter Nutzflächen werden mit Erdwärme beheizt. Aus der Klimadecke strömt im Winter warme, im Sommer kalte Luft. Saniert wurde gleichzeitig das Bestandsgebäude. 800 000 Euro ließ sich das Unternehmen die Arbeiten kosten. Auf Klimaschutz setzt Wocken auch beim Fuhrpark: Inzwischen gibt es vier Lkw, die mit LNG (Flüssiggas) betrieben werden.
Dabei ist der Aufwand (noch) immens: Im Emsland gibt es nämlich noch keine LNG-Tankstelle. Zwar ist eine an der A 31 in Lathen-Niederlangen geplant, aber noch nicht in Betrieb. Eine Tankstelle in Emsbüren musste wegen technischer Probleme außer Betrieb genommen werden. „Die nächste Tankstelle befindet sich in Bakum bei Vechta“, berichtet Anton Wocken. Und statt bis zu 2500 Kilometer wie bei Diesel-Lkw erreichen LNG-betriebene Transporter lediglich zwischen 1100 und 1800 Kilometer. „Dennoch sind wir sehr zufrieden mit den bisherigen Erfahrungen mit LNG-Antrieb“, sagt Wocken. Und dank regelmäßiger Schulungen der Lkw-Fahrer im energieeffizienten Fahren sinkt der Kraftstoffverbrauch bei Wocken jährlich um mehrere Prozent.
Zum wiederholten Mal mit mit dem Gütesiegel klimabewusstes Unternehmen ausgezeichnet worden ist die Alwin Otten GmbH Kälte Klima Elektro aus Meppen. „Wir haben bereits Anfang der 2000er-Jahre mit dem Bau unseres Verwaltungsgebäudes in Passivhaus-Standard mit dem Klimaschutz angefangen. Damals waren wir im Gewerbebau echte Exoten“, so Prokuristin Inge Otten. Herzstück des Firmensitzes ist ein 63 000 Liter fassender isolierter Edelstahl-Tank, der in den Sommermonaten als Speicher von Sonnenwärme dient und mit dem in den Wintermonaten geheizt wird.
Die Lüftungsanlage ist mit einem Wärmetauscher ausgestattet, mit dem einfließende Luft erwärmt wird über Wärme, die im Gebäude ohnehin vorhanden ist, zum Beispiel durch Menschen oder technische Geräte. Erzeugte Solarenergie nutzt Otten überwiegend selbst, zum Beispiel auch für den Fuhrpark. Sogar zwei Kundendienst-Fahrzeuge und vier Dienstwagen sind bei Otten mittlerweile durch Strom betrieben. Weitere Fahrzeuge aus der 30 Fahrzeuge großen Flotte werden sukzessive folgen, kündigt die Mit-Geschäftsführerin an. „Durch unsere E-Fahrzeugflotte sparen wir inzwischen jedes Jahr etwa 5000 Liter Dieselkraftstoff ein“, so Otten. Azubis werden obendrein mit E-Rollern ausgestattet, die 70 Mitarbeiter können E-Bikes leasen, um zur Arbeit zu kommen.
Gegenüber Kunden versucht Otten immer wieder, den Mehrwert von Klimaschutz zu verdeutlichen. „Bei der Kältetechnik zum Beispiel versuchen wir, Anlagen mit natürlichen Kältemitteln einzusetzen“, erklärt die Prokuristin. Im neuen Marktkauf in Meppen zum Beispiel hat Otten Kälte-Anlagen verbaut, die mit Propan kühlen. Propan ist ein natürlich vorkommendes Gas und schädigt zum Beispiel die Ozonschicht nicht, wie es andere Kältemittel tun. „Wir haben uns sehr früh mit dem Thema natürliche Gase beschäftigt“, betont Inge Otten.

Artikel: Meppener Tagespost vom 13. Januar 2021